Über das Werk

Text von Hubert Lang zur Enthüllung der Madonna im Rosenhag

am 20. Oktober 2019  -verlesen von Dr. Natascha Bremer-

                                                                                                

Mutter mit Kind ist ein altes und breites Thema in der Kunstgeschichte.

Schon im alten Ägypten gibt es solche Skulpturen, z. B. Isis mit dem Horusknaben.

Die Darstellung der Madonna ist von zentraler Bedeutung in Italien, Deutschland, Spanien, Frankreich und natürlich im ganzen christlich geprägten Abendland. Das Thema Mutter mit Kind kam erst in späterer Zeit hinzu.  Meist sind die frühen Skulpturen noch in alten Kirchen an Ort und Stelle zu sehen. Aber auch in den großen Landesmuseen wie z. B. im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe findet man sehr schöne und herausragende Kunstwerke.

 

In meinem Künstlerleben habe ich immer wieder die Kunstgeschichte studiert, ob in Kirchen oder in Museen. Das Vorbild der alten Meister war für mich persönlich wichtig. Die künstlerische Qualität in der Kunst war Richtschnur und Leitbild für mein eigenes Schaffen.

 

Es gibt Darstellungen der sitzenden und stehenden Mutter mit Kind, bzw. Maria mit Jesuskind, die Ursymbole der elementaren Menschlichkeit sind. Die Beziehung der Mutter zum Kind wurde in den verschiedensten Posen und Haltungen, in psychologischer und physiologischer Art dargestellt.

 

Berühmte Beispiele gibt es im Mittelalter – in Essen die große Goldene Madonna (12./13. Jahrhundert) aus dem Münsterschatz.

In der Riegeler Pfarrkirche St. Martin befindet sich eine stehende spätgotische Madonna, wunderbar in Holz gearbeitet.

In der Malerei der Spätgotik kennen wir zwei berühmte Bilder:

Die Madonna im Rosenhag von Stefan Lochner, 1450, heute im Wallraf-Richarts-Museum in Köln und die Madonna im Rosenhag von Martin Schongauer, 1473, in der Dominikaner Kirche von Colmar.

Rosenhag nennt sich ein mit Rosen bepflanzter intimer Garten, in dem die Gottesmutter Maria beschaulich ihr Kind auf ihrem Schoß darbietet. Er ist ein Paradiesgärtlein, auf Goldgrund gemalt, in dem Vögel und Engel singen und zierliche bunte Blumen blühen.

Auch in den Reben haben wir Rosenstöcke, die wir als zierendes Motiv, die Madonna umrahmend, aufnehmen.

 

Bei der Platzierung der Madonna in Riegel am Vogelturm/Gallberg hat die Verbindung zu Martin Schongauer und seinem Wirkungsort Colmar eine wichtige Rolle gespielt. Der Fernblick geht von hier aus über die Ebene des Hochrheins ins Elsass, und die geschwungenen Bergketten der Vogesen grüßen von Ferne herüber. Colmar, die Stadt Martin Schongauers, ist nahe und sie schickt uns ein geistiges Band nach Riegel. So kann die eine Madonna aus Riegel nun die andere aus Colmar im geistigen phantastischen Raum begrüßen.

 

Mich hat das Thema Mutter/Kind schon früh bewegt. Erste Gestaltungen machten wir als Schüler in der Schnitzschule Oberammergau (1963 -1966). Damals wurden in der Schule noch sakrale Darstellungen bevorzugt. Auch bei den Krippendarstellungen war die Madonna, sprich Maria mit Kind immer dabei.

 

Auf der Akademie in München und Stuttgart (1968 – 1976) gab es immer wieder Versuche das Thema neu zu gestalten.

1975 entstand eine Darstellung der Mutter mit Kind, gemeißelt in roten Sandstein. Sie wurde meine einzige Skulptur in Stein. Mein favorisiertes Material in der Bildhauerei war und ist die Bronze.

 

Nur wenige Holzskulpturen habe ich gemacht. Mein Gesellenstück „Judaskuß“ aus Eichholz von 1966 wurde in der Großen Münchner Kunstausstellung im Haus der Kunst in München gezeigt.

 

Die Entstehungsgeschichte der Madonna im Rosenhag:            

 

Zu einem Skulpturenweg in Oberammergau mit dem Thema 3  „Menschenbild“ im Jahr 2007 wurde ein Wettbewerb von der Gemeinde ausgeschrieben. Für Honorar und Materialkosten wurden 2.000 Euro pro Arbeit ausgegeben. Zum Wettbewerb konnte man Modelle 1:10 einreichen. Es wurden 70 Modelle von 50 Künstlern eingereicht wovon 8 ausgewählt und realisiert wurden. Auch die Madonna, besser gesagt Mutter mit Kind, die vor uns steht, war mit dabei.

 

Die Kunstgießerei Hofmeister aus Höhenrain/Berg am Starnberger See hatte eine Silikonform gemacht und die Madonna in Bronze gegossen. Drei Jahre stand sie dann vor dem Passionsspieltheater in Oberammergau an prominenter Stelle.

Sie wurde 2018 im Kloster Hegne am Bodensee bei der Ausstellung „MARIA, Frau, Königin. Mutter“ gezeigt und war 2018 in der Ausstellung „Bemuttert“ der Stiftung Kreissparkasse Biberach/Riss zu sehen.

Im Katalog zur Ausstellung schrieb die Kuratorin Dr. Barbara Renftle:

„Hubert Lang verleiht seinen Figuren gerne einen kraftvollen, archaischen Ausdruck. Eine organisch-tektonische Formvereinfachung mit meist geglätteten Oberflächen schafft Präsenz und Symbolwirkung. Der Körper der Madonna ist ein Thronstuhl für das Christuskind, das die Arme zum Segen erhoben hat. Die blockhaft vereinfachte Formenauffassung betont einen summarischen zusammenfassenden Umriss.“

 

Die Skulptur „Madonna im Rosenhag“ kann sowohl profan wie auch sakral gesehen werden. Die Rosen werden noch in diesem Jahr in Form eines Halbkreises um die Skulptur gepflanzt.

                                                                                                                                  

Hubert Lang

Impressionen von der Enthüllung am 20. Oktober 2019