Re-Installation am Rosenmontag 2021


Re-Installation am Rosenmontag 2021 (Helmut Schöpflin, Vorsitzender KNK)

Re-Installation am Rosenmontag 2021 (Ute Bitsch, Künstlerin)


Re-Installation am Rosenmontag 2021 (Oliver Rein, Bürgermeister von Breisach)


Re-Installation am Rosenmontag 2021 (Andreas Dewaldt, "Marschall")


Re-Installation am Rosenmontag 2021


Re-Installation am Rosenmontag 2021


Erst-Installation am Fasnachtsfreitag 2013

Erst-Installation am Fasnachtsfreitag 2013

Erst-Installation am Fasnachtsfreitag 2013

Erst-Installation am Fasnachtsfreitag 2013

Re-Installation der Narrenkappe 

Breisach, Klostergarten, Rosenmontag, 15. Februar 2021

Es war am Fastnachtsfreitag, dem 8. Februar 2013,  als mit reger Beteiligung der Öffentlichkeit die Filzinstallation der Breisacher Künstlerin Ute Bitsch hier im Klostergarten auf dem Breisacher Münsterberg der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Heute sind wir coronabedingt nur eine Handvoll Leute. Der Kontrast bei der Enthüllung des Kunstwerks vor 8 Jahren könnte größer kaum sein: neben Bürgermeister Oliver Rein waren damals auch eine große Narrenschar und etliche Kunstinteressierte mit dabei hier im Klostergarten, darunter auch Helmut Lutz und Altbürgermeister Fritz Schanno.

2013 konnte Fasnet unbeschwert und fröhlich begangen werden. 

Und trotzdem – Titel und Aussage des Kunstwerkes passen wie geschaffen gerade auch zu heute, dem 15. Februar 2021, dem Tag der Re-Installation der Narrenkappe, ein Tag inmitten der Corona-Pandemie. 

„Ich Narr vergaß die Zauberdinge“ (ein zauberhafter, aber kein närrischer Titel). Diesen Namen gab Ute Bitsch ihrer Installation. Ute Bitsch entnahm die Idee aus Mozarts Oper  „Die Zauberflöte“. In einer fortgeschrittenen Szene ist Papageno an einem Nullpunkt angekommen – seine Lebensumstände scheinen ihm unerträglich, er ist verzweifelt. 

In dieser Situation kommen 3 Knaben herbei und rufen ihm zu:  „Papageno,  halt ein, sei klug, man lebt nur einmal, dies sei dir genug,  denk´ an deine Zauberglöckchen“  Und Papageno  -  der zuvor keinen Ausweg mehr sah,  nimmt sein Leben neu in die Hand, alles kommt wieder in´s Lot  und zum Schluss bekommt er seine Papagena.

Wir werden mit dem Titel dieses Kunstwerks:  „Ich Narr, vergaß´ die Zauber- Dinge“   daran erinnert,  durchzuatmen, die Dinge auch mal anders zu sehen,  den Kopf frei zu bekommen. Inmitten der Schwierigkeiten, die uns umgeben, nicht zu vergessen, das Schöne und Einfache zu sehen.  

Filz ist lebendiges Material. Schön und stimmig war es, als dieses Naturprodukt in der ungeschützten Natur des Klostergartens seine Aufstellung fand!  Und, gemäß der damaligen Absicht, Filz ist als Naturprodukt in den vergangenen 8 Jahren auch wieder zerfallen,  die Farben vergingen, die Substanz löste sich nach und nach auf.

Dieses Filz-Objekt von Ute Bitsch hat den natürlichen Prozess der Veränderung durchlaufen und soll deshalb jetzt erneuert  -  re-installiert werden.

Herzlichen Dank Ihnen, die Sie uns heute hierbei begleiten, und insbesondere Dank an die Presse. Mit Ihrer Publikation ist auch die Öffentlichkeit heute -zumindest virtuell- anwesend.  Und in hoffentlich nicht fernen Tagen können die Menschen auch real wieder in diesen wunderschönen Garten kommen und sich dabei auch direkt an der erneuerten Narrenkappe von Ute Bitsch erfreuen.

Und bis dahin „Liebe Leute, vergesst die Zauberdinge nicht“.
(Helmut Schöpflin anläßlich der Re-Installation am Rosenmontag 2021)

Narrenkappe

von Ute Bitsch, enthüllt am Fastnachtfreitag, dem 8. Februar 2013 im Klosterareal Münsterberg, Breisach

Der Titel des Objekts "Ich Narr vergaß die Zauberdinge" zitiert die Arie des Papageno aus der "Zauberflöte". Es ist die Szene, in der Papageno glaubt, in einer ausweglosen Situation zu sein und zutiefst unglücklich an Selbstmord denkt. Da erscheinen drei Knaben und rufen, "Halt ein, halt ein! o Papageno, und sei klug, man lebt nur einmal, das sei dir gesagt!"

Ut eBitsch möchte mit dem kleinen "Narren" die Menschen anregen, in Momenten des Verzagt-, oder Traurig-  oder Erschöpft-Seins die Kraft der Natur zu nutzen, durchzuatmen und den Blick zu weiten. Dadurch einen neuen Blickwinkel zu bekommen und die Dinge anders zu betrachten. 

Das Material: Filz. Das ist der Stoff, aus dem die Künstlerin ihre Kreationen entstehen lässt. Filz, die Textilie, ist vergänglich. Spannend daran wird der Prozess sein, den dieses Objekt mit den Jahren durchlaufen wird, weil sich das Material im Freien verändern wird. Aber in welchem Zeitraum, in welchen Phasen, das gilt zu entdecken, ebenso wie die Freiheit des Blicks und der Gedanken an diesem herrlichen Aussichtsplatz auf dem Breisacher Münsterberg.

 

Aufgestellt am 8. Februar 2013 im Klostergarten auf dem Münsterberg in Breisach

Rede zur Einweihung der  „Narrenkappe“ 

Dr. Falk  Herdter , ehem. Ärztl. Dir. der Helios Rosmann Klinik Breisach

Klostergarten in der Kapuzinergasse / Breisach       08.02.2013

Filz  -  das ist einer der ältesten Textilien.

So alt - dass man sogar vermutet, die Entwicklung sei parallel zur Sprachentwicklung in frühester Zeit verlaufen: man denke 

an die Ähnlichkeit der Worte  > TEXT  und TEXTIL <.

Daher in diesem Zusammenhang vorab eine schöne Legende:

Noah hatte beim Bau seiner Arche an alles gedacht.  Nur nicht daran, dass ein langer Weg bevorstand und die Innenausstattung seines Schiffes sehr unbequem war. Vor allem die harten Holzplanken hatten es beim Lagern und Schlafen in sich…

Nun zeigte Gott Erbarmen und polsterte den Boden der Arche mit Schafwolle.  Die mitgeführten Tiere stampften die Wolle auf dem Boden; außerdem war es sehr heiß in der Arche, der Boden wurde feucht von den schwitzenden Schiffsinsassen.

So war nach 40 Tagen aus dem flockigen Bodenbelag ein dichter, fester Teppich geworden:   wärmend und wasserfest!

Der erste Filz der Menschheitsgeschichte war also ein gemeinsames Werk von Mensch, Tier und göttlicher Instanz….

 

In der modernen Kunstgeschichte fällt beim Thema  > Filz <

sofort der Name  Joseph Beuys.

Dieser stürzte 1943 während eines Krim-Einsatzes mit dem Flugzeug ab.  Einheimische Nomaden fanden den Schwerverletzten und brachten ihn mit einem Schlitten in ihr Zeltlager.

Dort wurde er mit Filzdecken gewärmt und mit Fett ernährt. Er überlebte…

Beuys spätere Arbeiten kreisten stets um dieses fundamentale, lebensrettende Ereignis für  ihn -  nämlich um die gegensätzlichen Richtungen der Kulturen:  die Welt der Naturvölker und  die Welt der  westlichen Technologie!    

                         

Und nun komme ich zur heutigen Einweihung der Filzinstallation!

 

Vorab einige Worte über Ute Bitsch:

Sie ist in Westfalen geboren, am Niederrhein - hat also dort schon „am Wasser“ gelebt. Seit 1969 ist sie nun hier am Oberrhein.  Den Umzug hat sie als Glück empfunden, sie liebt diese Region…

Ihre Ausbildung zur Filz-Gestalterin erhielt sie in der Filzschule Oberrot bei Künzelsau.

Seit 2010 hat sie eine eigene Filz-Werkstatt und betreibt ihre Galerie  > Artemisia  <  am hiesigen Marktplatz.

Sie wollte sich auf keinen Fall der Malerei zuwenden, sondern mit Filz arbeiten, eigene Exponate entwickeln…

< Filz ist einfach mein Material >  sagt  Ute  Bitsch.

 

Über den Werkstoff Filz herrschen viele Unklarheiten.

 

Daher hierzu noch ein paar Erklärungen:  Die Grundlage bildet Wolle - meist feinste Merinowolle -.  In Verbindung mit Seide und anderen hochwertigen Fasern entstehen daraus die besonderen Unikate von U. Bitsch. Das Material wird mit Wasser und Seife zusammengebracht - und nun beginnen diverse Arbeitsschritte:

Reiben, Rollen, Walken, Werfen, Ziehen, Glattstreichen…

Man weiß dann bei den Fasern nicht mehr, wo Anfang und Ende ist.

Nichts geht mehr dazwischen - alles ist „verfilzt“.

Dieses entstandene Naturprodukt vermittelt Schutz, Wärme und Geborgenheit - es ist schön und anschmiegsam.

Die nomadisierenden Mongolen und Tibeter haben immer schon in familiärer Gemeinschaftsarbeit daraus Zelte, Kleidung und Pferdedecken gewonnen. Filz wurde auf die Bettstatt gelegt, diente beispielsweise im Mittelalter als Wärmeschutz beim Tragen der Ritter- Eisenmasken.

 

Auch das berühmte BAUHAUS propagierte nach dem 1. Weltkrieg die Rückbesinnung zu diesem Material mit den Worten:  > Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! <

 

<  Ich Narr,  vergaß´ die Zauberdinge <  ( ein zauberhafter, aber kein närrischer Titel)

Ute Bitsch entnimmt die Idee aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“.

In einer fortgeschrittenen Szene ist Papageno an einem Nullpunkt

angekommen, er will sich das Leben nehmen. Dann kommen gerade noch rechtzeitig die 3 Knaben herbei und rufen ihm zu: < Papageno, halt´ein, sei klug, man lebt nur einmal dies sei dir genug, denk´ an deine Zauberglöckchen >  -

Und Papageno  -  der zuvor keinen Ausweg mehr sah,  nimmt sein Leben neu in die Hand  und bekommt zum Schluß seine Papagena..

 

Wir werden mit dem Ausspruch:  „Ich Narr,  vergaß´ die ZauberDinge“   daran erinnert,  durchzuatmen, die Dinge auch mal anders zu sehen,  den Kopf frei zu bekommen , das Einfache zu sehen…

Alle Zeit ist Narrenzeit !

Denken wir an:  prophetische Narren, Fastnachtsnarren, ModeNarren, philosophische Narren, Bücher-Narren oder Narren aus Liebe (wir sagen: an jemandem einen Narren gefressen haben  oder  Narren - Freiheit)

Der Hofnarr am früheren Fürstenhof hatte zwar für Heiterkeit zu sorgen, diente aber auch der Wahrheit und hielt der Gesellschaft den Spiegel vor.  

 

Die Attribute seiner Narrenkappe sind Eselsohren, Schellen und der Narrenspiegel. Die rote Farbe signalisiert seine Dynamik…

 

Nun noch abschließende Worte zur Perspektive dieser Installation

von Ute Bitsch:

 

Filz ist also lebendiges Material.

Schön und stimmig ist es, wenn jetzt dieses Naturprodukt in der Natur seine Aufstellung findet!

Aber:  Filz wird als Naturprodukt auch wieder zerfallen, die Farbe wird vergehen.

Es bedarf also keines besonderen Schutzes  - keiner  Überdachung.

Auf diesem herrlichen Grundstück  -  hier befand sich bis zum Ende des 18.Jahrhunderts das Franziskanerkloster  -  ist das Vergängliche ohnehin zu begreifen.  Nur einzelne Steinreste geben Zeugnis von diesem Ort.

So wird auch dieses Filz-Objekt von U . B. den natürlichen Prozess Der Veränderung durchlaufen.  Das Material wird allmählich unansehnlicher werden, die Kraft der Natur wird sich durchsetzen.  Sicher ein spannender Kreislauf, aus dem wieder neue Kraft, Inspiration, Erfahrung und Kreativität hervorgehen werden…

Diesen dynamischen Prozess gilt es auch photographisch zu begleiten und festzuhalten.

Wir alle können daran teilnehmen bei unseren unregelmäßigen Besuchen in diesem Klostergarten.

So bleibt zum Schluß festzuhalten, dass Rathaus, Münster und Amtsgericht zukünftig nicht mehr nur in der Narrenzeit der närrischen  < Überwachung >  unterliegen, sondern  diese Narrenkappe von Ute Bitsch auf dem Klosterareal

wird mit ihren roten Ohrenzipfeln täglich vom Münsterberg ins Land winken.

 

Und so schließt sich der Narrenkreis mit einem Wort eines gewitzten Mannes aus Frankreich, Nicolas Chamfort, aus dem 18. Jahrhundert:

<  Der verlorenste  aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat > .